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Fachgruppe Sozialpädagogik: Protokoll des Treffens 2

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

beim letzten Treffen gab es einige sehr interessante Themen. Zum einen diskutierten wir über den aktuellen und zukünftigen Fachkräftemangel in einigen Bereichen der sozialpädagogisch/erzieherischen Arbeit. Dafür gibt es vielfältige Gründe, unter anderen die geburtenschwachen Jahrgänge und damit verbunden weniger Azubis, aber natürlich auch der Ausbau der Kitas. Daneben wurde der Beruf zunehmend unattraktiver für junge Menschen, der Verdienst schlechter bei gestiegenen Arbeitsanforderungen und verschlechterten Arbeitsbedingungen. Noch dieses Jahr wird daher von der GEW ein Fachtag zum Thema „Arbeitsbedingungen“ stattfinden, wie uns Günter Schedel Gschwendtner aus den Gremien berichtete.

Ein weiteres Thema war die Novellierung des BayKiBiG. Aktuell war die Verbändeanhörung zu dieser Gesetzesnovelle, die Stellungnahme der GEW gibt es hier. Leider ist der Text nur verständlich, wenn man sich mit der Materie schon auskennt. Dieses Gesetz betrifft aber sehr viele von uns in den sozialpädagogischen Berufen, so daß wir es ausführlicher diskutierten. Besonderes Augenmerk verdient die geplante Einführung der sogenannten „Großtagespflege“, das ist so etwas wie eine kleine Kita, aber ohne deren Qualitätsstandards. Wir diskutierten, daß mit solchen Vorhaben auch einer allgemeinen „Deprofessionalisierung“ vorschub geleistet wird, daß also immer mehr Tätigkeiten von Menschen ausgeübt werden, die dafür nicht die vergesehene Ausbildung haben. Sicherlich leisten sehr viele von denen eine sehr gute Arbeit, aber einer Gewerkschaft muß es ja darum gehen, Berufe und Arbeitsbedingungen zu schützen und einzufordern, daß Qualtitätsstandards eingehalten werden. Nun sollen bspw. schon die arbeitslos gewordenen Mitarbeiter von Schlecker, die diffamierend „Schlecker Frauen“ genannt werden in Kitas arbeiten, gefordert auch von Verdi Chef Bsirske. Wenn die alle, die wollen, eine bezahlte Ausbildung erhalten eine gute Idee. Dem Fachkräftemangel wird also auch so begegnet, daß der Staat einfach andere Angebote legitimiert, die ohne solche Fachkräfte auskommen, anstatt die Ausbildungssituation zu verbessern und nicht zuletzt den Beruf attraktiver zu machen durch bessere Bezahlung und bessere Arbeitsbedingungen. Wie in vielen Bereichen wird die Ausbildung von Fachkräften ja nicht geplant, am leicht berechenbaren Bedarf, sondern ein „Markt“ wird angenommen, auf dem Anbieter vom Staat Zuschüsse erhalten, wenn sie eine Fachakademie betreiben, bei meist völlig unzureichender Finanzierung. Ein Beispiel für die Marktgläubigkeit unserer Politiker heute, ein Beispiel für die merkwürdige Vorstellung der Organisation öffentlicher Aufgaben.

In den Treffen ab Herbst haben wir aufgrund der Diskussion geplant das Theme der Prekarisierung der Arbeit in den Sozialpädagogischen Berufen zu thematisieren. Auch die beschriebene Strategie der Deprofessionalisierung ist ein Teil dieser durchaus gewollten Entwicklung. Beim nächsten Treffen soll es daher auch darum gehen, welche Bereiche unserer Arbeit im Rahmen des Themas Prekarisierung aufgegriffen werden, welche Referenten wir dazu einladen könnten, etc. Wir würden uns über eine rege Teilnahme freuen.

Das Treffen findet am 03.07.2012 um 19:00 Uhr statt. Raum. Bitte Aushang beachten.

Der Organisationsvorstand der Fachgruppe

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